10 aus 50 mit Ronja

Montag ist 10aus50-Tag und heute können wir uns von Ronja Harder inspirieren lassen. Ronja ist 24 und Industrie Design Studentin. Sie hat sich ein paar Fragen ausgesucht, die bisher noch unbeantwortet geblieben sind. Darüber freue ich mich besonders.

 

So beschreibt sich Ronja selber:

Ich bin leidenschaftliche self-made Gestalterin.

Schon in meiner Jugend habe ich angefangen, mir meine Taschen aus alten, kaputten Lederjacken oder anderen Stoffen und Materialien, die halt so da waren, zu nähen. Hauptsächlich aus dem Gefühl heraus, dass mir einfach wenig von dem gefallen hat, was man so im Handel angeboten bekam. Vieles in unserer Wohnung habe ich selbst gebaut und ich liebe es, alte Dinge und Materialien dabei zu verwenden. Es gibt Teile in meiner Umgebung, die schon drei oder mehr Leben hatten – sie wurden an anderer Stelle wiederverwendet, umgebaut oder umlackiert. Ich sammle viel, was andere wahrscheinlich entsorgen würden. Gerade bei meinem Umzug letztes Jahr deutlich geworden ist aber der Großteil kommt eben tatsächlich auch immer wieder hier oder da zum Einsatz und findet sein neues Leben in einem anderen Kontext.

 

Und hier kommen Ronjas 10 ausgewählte Fragen und Antworten:

 

Was steht für dich beim Thema Nachhaltigkeit an erster Stelle? Mensch, Tier oder Umwelt?

Defintiv an erster Stelle Umwelt. Keine Frage, Mensch und Tier sind ebenfalls wichtig, allerdings ist unsere Umwelt nunmal der große Raum, ohne den nichts geht. Abgesehen davon können Mensch und Tier ihre Bedürfnisse oft äußern, die Umwelt gibt meist erst Signale, wenn es bereits zu spät ist: ausgebeuteter Boden, verdreckte Meere, Klimawandel. Man kann sie prima ausbeuten – dass wir uns damit selbst jedes mal ins eigene Bein schießen, sehen viele leider nicht.

 

Hat Nachhaltigkeit schon in deiner Kindheit eine Rolle gespielt?

Ja, wenn ich jetzt so zurück blicke, hat meine Mutter hat uns selbst schon recht ökologisch erzogen.

Babynahrung wurde aus frischen Zutaten selbst gekocht und gewickelt wurde – zumindest eine Zeit lang – mit Schurwolltuch und Einlage. Kinderkleidung wurde in Second Hand Läden eingekauft. Einkaufstaschen wurden prinzipiell von Zuhause mitgenommen, es wurde mit Hand gespült, weil sie keine Spülmaschinen-Tabs benutzen wollte. Es wurde aufgegessen, was da war, bevor es verdirbt. Feiertagsdekoration war häufig selbst gemacht oder mindestens aus wiederverwendbarem Material, sodass sie wirklich jedes Jahr aufs Neue benutzt werden konnte.

Klar, all das hatte auch meistens positive Effekte auf Geldbeutel oder Erziehungsfragen aber auf der anderen Seite wurde dann auch alles andere als gespart. Bei Möbeln zum Beispiel: Nie kam uns billiges, beschichtetes Pressspan in die Wohnung. Immer war es Vollholz – oft sogar unbehandelt. Unser Spielzeug war zu großen Teilen aus Holz oder wir haben uns aus Dingen, die da waren, etwas gebastelt – nicht weil das Geld fehlte, sondern weil unsere Mutter es uns immer schon im Alltag vorgemacht hatte. Und diese Dinge wurden so lang benutzt, bis sie kaputt waren.

Bei vielen dieser Dinge wurden meine Eltern schräg angeguckt aber sie haben es trotzdem durchgezogen, weil sie einfach dahinter standen.

 

Ist dein Umfeld sensibel für das Thema Nachhaltigkeit?

Zum größten Teil auf jeden Fall. Es gibt einige in meinem Umfeld, die ihre Form von Nachhaltigkeit leben und für sich Wege gefunden haben, ihren Alltag nachhaltiger und damit auch bewusster zu leben, indem sie zum Beispiel Teile ihres Gemüse- und Obstbedarfs auch ohne Garten in ihrer Wohnung und auf dem Balkon selbst anbauen.

Andere natürlich auch wieder nicht. Entweder haben sie keinen Bezug dazu und denken gar nicht darüber nach oder sie nervt der Gedanke, weil er oft gegen die Bequemlichkeit spricht, an die man sich im Laufe seines Lebens gewöhnt hat.

 

Wie ernährst du dich?

Ich ernähre mich seit knapp 5 Jahren – also seit ich ausgezogen bin – recht fleischarm und seit einem halben Jahr komplett fleischlos. Hin und wieder esse ich Fisch aber das wird weniger und vermutlich auch mein nächste Schritt. Die Überfischung und grundsätzliche Situation in Meeren und Seen steht zwar auf einem anderen Blatt ist aber, wenn man ehrlich ist, eigentlich genauso schrecklich und zerstörerisch, wie die Fleischindustrie.

Ansonsten esse ich, zumindest was das Gemüse betrifft, mittlerweile fast ausschließlich frisch und versuche zu regionaler Ware zu greifen, wenn es möglich ist. Wie in vielen Dingen ist auch da verdammt viel, was man besser machen kann aber ich entwickle mich stets weiter.

 

Was ist dein größter Nachhaltigkeits-Tipp?

Fang an zu vermeiden oder umzudenken, wo es am wenigsten weh tut!

Der Tipp mag erstmal lasch klingen, ist aber für viele ein guter, die nicht so radikal sind oder zum Beispiel in einer Partnerschaft leben, in der man nur schwierig von heute auf morgen alles ohne Kompromisse ändern kann. Lieber erstmal individuell und mit kleinen „Sünden“ anfangen, sich steigern und seinen Wirkungsbereich ausweiten, als durch einen radikalen Schnitt wohlmöglich zu scheitern und dann das ganze Vorhaben aufzugeben.

Es gibt in unserem Alltag so viel, das einfach faktisch nicht gut für die Umwelt und dabei auch noch absolut unnötig ist. Zum Beispiel in Ernährungsfragen oder dem Umgang mit dem eigenen Konsum oder Müll. Sich solche Situationen bewusst machen und dann zu überlegen: Kann ich das ändern oder sogar vermeiden?

So war es bei mir auch bei Fleisch. Ich mochte immer schon den Geschmack und mag nach wie vor den Geruch davon. Aber mir ist letztendlich klar geworden, dass wir es einfach nicht brauchen. Und ist dieser Fakt dann wirklich mit der Fleischproduktion vereinbar?

Oder bei der Beziehung zu meinem Kleiderschrank. Ich habe mir in meiner Jugend soviel gekauft, was ich einmal anhatte und mir dann nicht mehr gefiel. Heute kaufe ich nur noch Sachen, die mir wirklich extrem gefallen oder ich gehe zu Tauschmärkten. Tolle Sache übrigens: die eigenen Dinge, die ich kaum trage aber noch super in Schuss sind abgeben und nehmen, was mir gefällt und jemand anders nicht mehr braucht.

Oft nehme ich mir soviel vor, dass es fast alles bloß Pläne bleiben. Stück für Stück ist die Devise.

 

Wurdest du schonmal als „Öko beschimpft“?

Wirklich beschimpft würde ich nicht sagen. Es kommt allerdings vor, das man mich so bezeichnet, aber erstmal finde ich daran nichts schlimmes, solang kein aggressiver oder ablehnender Unterton dabei ist. Was ich daran schade finde ist, dass meine Haltung scheinbar etwas so besonderes ist, dass ich dafür bezeichnet werden muss. Ein bewussterer Lebensstil sollte nicht aus der Reihe tanzen, sondern die Regel sein. Durch unsere Position auf der Erde – also eigentlich unsere Herrschaft, wenn ich es so ausdrücken darf – haben wir ganz einfach eine gewisse Verantwortung. Wenn jemandem die Umwelt an sich egal ist, weil er oder sie einfach keinen Bezug zu ihr findet und Tiere eh nur zum essen da sind („Schonmal was von der Nahrungskette gehört?“), ist das zwar schade aber okay. Aber selbst dann müsste man doch zumindest soviel Mensch sein, dieses sinkende Schiff nicht unseren Nachfahren übergeben zu wollen…

 

Naturkosmetik – Ja oder Nein?

Ja. Und das Herrliche dabei ist: es wird immer einfacher! Die Produkte, wie Läden sprießen aus dem Boden und eigentlich muss man bei Schminke und Duschgel auf nichts mehr verzichten, indem man auf Naturkosmetik umsteigt.

 

Welche Milchalternative magst du am liebsten?

Hafer- und Mandelmilch schmeckt mir am besten. Sojamilch ist geschmacklich nicht so meins und Reismilch find ich fies.

 

Bist du Typ Online-Shopping oder stationärer Handel?

Ich war schon oft Kunde von Amazon, Zalando und Co aber gerade in der letzten Zeit habe ich versucht, genau das rapide zu senken. Es ist schlicht und ergreifend eine Sache der Bequemlichkeit. Aber man nimmt dafür teils unmenschliche Verpackungsberge und Transportwege in Kauf und oft ist das Produkt dann doch nicht, wie man es sich vorgestellt hat. Dann geht’s wieder ab zurück und all das war umsonst.

Wenn ich jetzt etwas brauche oder haben möchte, überlege ich erst: bekomme ich es nicht auch regional? Und dann: brauche ich es denn überhaupt? Der Clue ist nach wie vor einfach, bewusster zu leben. Dann klappt vieles auch um einiges frustrationsfreier, finde ich.

 

Was wünschst du dir von deinen Mitmenschen?

Grundsätzlich ein größeres Bewusstsein für die Umwelt und alles was lebt. Aufhören, so übermäßig zu konsumieren und allem nachzurennen, für das geworben wird. Absehen von der Umwelt, verschleiert es auch so immer mehr die Sicht auf sich selbst. Wovon ich mich selbstverständlich nicht ganz ausschließen kann! Aber ich versuche stetig und suche meinen Weg in diesem Chaos. Und der sollte so eco und fair sein, wie es einem nur möglich ist.

 

Vielen lieben Dank Ronja für deine Antworten. Wenn ihr Fragen an Ronja habt, stellt sie in den Kommentaren oder besucht sie bei Instagram unter ronja.harder.

Ein Gedanke zu “10 aus 50 mit Ronja

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