10 aus 50 mit Gudrun

Ich freue mich besonders über das Interview von Gudrun, weil sie die erste in dieser Reihe ist, die sich aktiv im Umweltschutz engagiert. Gudrun ist 45 Jahre alt und Personalsachbearbeiterin. In ihrer Freizeit ist sie im Vorstand des Projekts Project Blue Sea, über das ihr gleich noch mehr lesen werdet, tätig. 

So beschreibt sich Gudrun selber:

Ich bin verheiratet und habe einen Sohn. Ich engagiere mich im Umwelt- und Tierschutz und versuche im Alltag, meinen öko-sozialen Fußabdruck möglichst klein zu halten. 

 Nun aber viel Spaß beim Lesen:

Was steht für dich beim Thema Nachhaltigkeit an erster Stelle? Mensch, Tier oder Umwelt?

Ich glaube, dass das alles so eng miteinander verbunden ist, dass man es nicht trennen kann. Wenn man z.B. drauf achtet, faire Sachen zu kaufen, ist es fast immer auch besser für die Umwelt. Wenn man Biofleisch kauft, ist es auf jeden Fall auch besser für die Umwelt, da es meist regionales Fleisch ist und die Bauern werden auch angemessener bezahlt. Wenn man weniger Auto fährt oder fliegt, ist es besser für das Klima und auch für die Menschen, die in klimawandelgefährdeten Regionen leben. Dafür gibt es noch viele Beispiele, leider auch andersherum.

 

Welches Problem, glaubst du, muss als erstes angepackt werden?

Auf jeden Fall das Klima!!!! Wenn da nicht langsam was passiert, sind alle anderen ökologischen Vorhaben egal, weil wir mit dem Retten der Menschen aus den Katastrophengebieten beschäftigt sein werden. Es ist ja jetzt schon so, dass viele der zu uns kommenden Flüchtlinge, wenn man der Ursache ganz auf den Grund geht, Klimaflüchtlinge sind.

Um das Klima noch zu retten müssen wir dringend weniger Auto fahren, weniger fliegen und weniger Fleisch essen!

 

Hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du etwas konventionell kaufst?

Ehrlich gesagt inzwischen ja. Mein Bedürfnis, bio und fair zu konsumieren wächst stetig mit jeder neuen Information über die Auswirkungen unseres Lebensstils auf die Umwelt. Aber natürlich bin ich ja auch nur ein Mensch in der westlichen Welt. Und oft ist dann doch keine Zeit, um in den Biomarkt zu fahren oder ich lasse mich von doofer Werbung und billigen Preisen verführen.

 

Würdest du gerne auch beruflich etwas mit Nachhaltigkeit machen?

Oh ja, das fänd ich wirklich toll! Ich hatte auch mal Ideen, bin aber ein zu vorsichtiger Mensch, um alleine was ganz neues zu starten. Ich wollte dann aber wenigstens in einem umweltbewussten Betrieb arbeiten und habe mich von einem Sternehotel (die damit mal so gar nix zu tun haben wollten) weg zu „Spinnrad“ beworben. (Für die ganz jungen Leser: das war mal eine umweltbewusste Einzelhandelskette). Die haben aber leider 2002 pleite gemacht. Nun arbeite ich in einem „normalen“ Betrieb. Das ist zum Geldverdienen, für die Erfüllung bin ich im Vorstand von Project Blue Sea e.V..

 

Versteckst du manchmal, dass du dir über Nachhaltigkeit Gedanken machst?

Heute nicht mehr. Ich habe es lange Zeit gemacht, weil ich nicht auffallen wollte. Vor ca 20 Jahren wurde ich tatsächlich noch geärgert, wenn ich in meinem damaligen Job Papier in die damals noch recht neuen Papiercontainer brachte! Gott sei Dank ist das Thema Umweltschutz inzwischen bei vielen Menschen normal geworden.

 

Bioladen oder DM-Bio?

Beides! Die Bioläden sind ja leider immer noch nicht so weit verbreitet. Seit ca. zwei Jahren bekommen wir eine Biokiste. Damit können wir schon mal die frischen Produkte wie Obst, Gemüse, Brot und Milchprodukte abdecken. Aber mit Hygiene-, Kosmetik- und Putzmitteln sind die nicht so gut ausgestattet. Natürlich sind die DM-Bio-Produkte mit dem EU-Biosiegel nicht so „doll“ bio wie es die Produkte in den Bioläden sind aber es ist ja besser als gar kein Bio und es ist ja auch nicht ökologisch, wenn man für ein, zwei Produkte mit dem Auto zum Biomarkt fährt. Und schnell gehen muss es ja heute leider auch alles.

 

Wo kaufst du dein Fleisch?

Ich selber esse gar kein Fleisch aber meine Familie (leider) sehr gerne. Meistens kaufe ich das Fleisch bei einem Neuland-Metzger. Die Neuland-Richtlinien beziehen sich hauptsächlich auf das Tierwohl und das ist mir da auch besonders wichtig. Das heisst, dass die Tiere z.B. nicht wie beim Demeter-Verband nur Biofutter bekommen aber die Haltung der Tiere ist schon sehr tiergerecht, soweit man bei Schlachttieren da überhaupt von sprechen kann. Da das Fleisch natürlich seinen Preis hat, gibt es bei uns nicht so häufig Fleisch. Wenn man ein bisschen kreativ ist beim Kochen, kriegt man so auch zwei Fleischfans ohne Fleisch satt.

 

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?

Weltfrieden und keinen Hunger mehr klingt ja wirklich kitschig, das wäre er aber wohl. Das witzige ist, dass es ja dafür gar kein Wunder bräuchte. Die Erde hat genug Platz und Nahrung für uns alle, es braucht nur ein bisschen mehr Toleranz Andersdenkenden gegenüber und einer gerechteren Verteilung. Also nicht immer alles, jetzt und hier.

 

Engagierst du dich in Organisationen? In welchen?

Ich bin im Vorstand von Project Blue Sea e.V. tätig. Wir sind eine kleine Meeresschutzorganisation mit Sitz in Herne (tatsächlich: Meeresschutz im Ruhrgebiet!). Neben den allgemeinen „Meeresanliegen“ sind unsere Hauptstandbeine die Rehabilitation von verölten Seevögeln und die Aufklärung über das Thema „Müll im Meer“. Obwohl wir ein kleiner Verein sind, haben wir in diesen beiden Bereichen schon sehr viel erreicht. Das kann man natürlich alles unter http://www.projectbluesea.de nachlesen. (Ein bisschen Eigenwerbung muss sein, )!Da ich ja beruflich auch kaufmännisch tätig bin und mir so ein Schreibkram auch liegt, kümmere ich mich in unserem Verein als Schatzmeisterin um alles, was mit Geld zu tun hat. Da wir keinen Steuerberater haben, ist das gar nicht so wenig. Natürlich bin ich auch bei aktiven Einsätzen wie Strandreinigungsaktionen, Infoständen oder dem Auf- und Abbau unserer Müllausstellungen dabei. Da aber alle Aktivisten dort sehr gute Freunde geworden sind, sehe ich es gar nicht so als Arbeit eher als nette Freizeitgestaltung an.

 

Auto, Fahrrad oder Bahn?

Natürlich Fahrrad am liebsten! Geht aber leider nicht so oft. Meine Arbeitsstelle ist 25 km weg und die Einkäufe sind leider auch nicht immer mit dem Fahrrad machbar. Bahn ist uns oft für eine Reise zu teuer, vor allem, wenn man mit mehreren ist. Dann wird es leider doch oft das Auto. Damit meine Emissionen dabei nicht ganz so hoch sind, habe ich mir vor  Jahren ein Gasauto zugelegt. Ich hoffe, dass das nun so lange hält, bis Stromautos besser und vor allem günstiger sind.

 

Danke dir, liebe Gudrun, besonders für den Einblick in deine Arbeit bei Project Blue Sea. Ich finde es richtig toll, was ihr da auf die Beine stellt und hoffe, dass ihr vielleicht den ein oder andern Unterstützer findet.

An alle Amazon-Käufer: Ihr könnt Project Blue Sea mit Amazon Smile unterstützen. Geht einfach auf https://smile.amazon.de, wählt Project Blue Sea aus Herne aus und kauft ganz normal ein. Ein paar Prozent des Einkaufswertes gehen dann an das Projekt.

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